Mietergemeinschaft der Notenbank Weimar zweifelt Seriosität des Bieterverfahrens an

Wir sind mit unserem Gebot des Mindestkaufpreises an die Heyge-Stiftung leider aus dem Rennen, während andere Kaufinteressent_innen mit einem identischen Gebot wohl nachbessern dürfen. Die Undurchsichtigkeit des Bieterverfahrens wird Thema bei Gesprächen u. a. mit Stadtratsfraktionen und im Stadtrat sein, wo wir weiter um eine sinnvolle Lösung für den Erhalt der Notenbank Weimar als öffentlichen und kulturellen Ort kämpfen werden.

Am 16. Oktober wurde der Mietergemeinschaft der Notenbank Weimar mitgeteilt, dass sie mit ihrem Gebot des geforderten Mindestkaufpreises im weiteren Bieterverfahren keine weitere Berücksichtigung finden werden, die Bitte um die Möglichkeit einer Nachbesserung des Angebots wurde durch die Firma R.O.I. GmbH abgelehnt. „Es irritiert uns, dass andere Bieter_innen, die wohl wie wir den geforderten Mindestkaufpreis geboten haben, weiter im Verfahren sind und anscheinend ihr Angebot noch einmal nachbessern dürfen. Wir haben hingegen die Information erhalten, dass eine Nachbesserung unseres Angebots gegen die Regularien des Bieterverfahrens sei“, sagt Claudia Meimberg. „Uns drängt sich zunehmend der Eindruck auf, dass uns die Heyge-Stiftung als Mietergemeinschaft offensichtlich von Anfang nicht als Bieter in dem Verfahren haben wollte und unser Genossenschaftskonzept nie ernst genommen hat.“ So wurden dem Vorstand der GbR bis zuletzt wesentliche Unterlagen nicht zur Verfügung gestellt, die für die Finanzierungszusicherung einer Bank notwendig sind. „Regeln und Ablauf des gesamten Bieterverfahrens scheinen undurchsichtig und unser Verdacht erhärtet sich immer mehr, dass hier nicht für alle Bieter_innen die gleichen Regeln gelten.“

Trotz der Ablehnung ihres Kaufangebots sieht die Mietergemeinschaft noch keinen Grund aufzugeben. In den kommenden Tagen stehen mehrere Gespräche mit Stadtratsfraktionen und Politiker_innen an und sie werden ihr Anliegen in der kommenden Stadtratssitzung vortragen. „Wir werden nun verstärkt auf politischer Ebene versuchen, eine Lösung für die Notenbank zu finden, die sie als öffentlichen und kulturellen Ort für Weimar erhält. Wir halten weiterhin an unserem Anliegen fest, dass die Notenbank nicht zu einem Renditeobjekt werden darf, bei dem stadt-, kultur- und sozialpolitische Aspekte keine Rolle mehr spielen“, so eine Mieterin, die aus Angst vor einer Kündigung anonym bleiben will. „Sollten wir für die Notenbank mit der Heyge-Stiftung und auf politischer Ebene keine gute Lösung finden können, werden wir als Gemeinschaft versuchen, die Idee eines offenen Ortes für Kultur- und Kreativwirtschaft in einer anderen Immobilie zu realisieren. Ein gemeinschaftlicher Auszug ist für etliche Mieter_innen inzwischen durchaus auch eine ernsthafte Option“, so die Mieterin weiter. 

25. Oktober 2019