Notenbank Weimar durch Verkauf als kultureller Ort in Not

Die Mietergemeinschaft der Notenbank hat in den vergangenen Wochen intensiv nach Lösungen gesucht, die einerseits die Notenbank als zentralen, kulturellen Ort bewahren und andererseits die Pläne der Heyge-Stiftung, verstärkt in ihr genuines Stiftungsziel zu investieren, nicht behindern. Weder die Bitte um Überführung des Bieterverfahrens in ein Konzeptverfahren wollte der Vorstand der Heyge-Stiftung oder die, mit dem Verkaufsprozess der Immobilie beauftragten Firma R.O.I. GmbH ernsthaft besprechen, noch wurde das Kaufangebot der Mietergemeinschaft im Bieterverfahren ernsthaft berücksichtigt. Vielmehr sieht sich die Mietergemeinschaft aktuell mit ultimativ vorgelegte Änderungsverträgen mit z. T. deutlichen Mieterhöhungen und etlichen Kündigungen konfrontiert. Für eine Reihe von MieterInnen sind die neuen Mietpreise bereits jetzt nicht mehr finanzierbar.

Die Notenbank Weimar hat sich in den vergangenen sechs Jahren dank des Engagements der Heyge-Stiftung zu einem bunten Kosmos aus Kultur, Musik und Zukunftstechnologien, aus sozialen und kommunikativen Dienstleister_innen, Architekt_innen und Kreativschaffenden entwickelt. Ein spannender und für Weimar wichtiger, viel bespielter kultureller Ort mit einer beispielgebenden Entwicklung inklusiver Sozialräume. So hat Dank der Veranstaltungsräume etwa die schola cantorum weimar hier einen Ort für ihre vielen Chöre gefunden. Darüber hinaus ist die Notenbank ein Ort für Beratungsangebote und Therapien, für Musik, Debatte, Kultur und Kunst. Gerade die Veranstaltungsräume wurden bisher nach einem solidarischen Mietmodell vergeben. Mit dem geplanten Verkauf an den/die MeistbietendeN wird dies in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr möglich. Ob ein rendite-orientierter Investor die Veranstaltungssäle erhalten wird ist mehr als fraglich, da sie einen hohen Prozentsatz der Gebäudefläche ausmachen und nicht wirtschaftlich bespielt werden können. Wir befürchten vielmehr, dass hier neue Büroeinheiten eingebaut werden.

Mit dem Verkauf der Notenbank an eineN MeistbietendeN werden Weimar und Thüringen aller Voraussicht nach für eine höhere Rendite einen zentralen innerstädtischen Kulturraum verlieren. 

Zehn Tage nach der Veröffentlichung des zweiten Städtevergleichs „Kultur und Kreativität“ durch die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission, laut der Weimar im europäischen Vergleich auf dem fünften Platz der Städte mit den besten schöpferischen und kulturellen Möglichkeiten steht, reicht es aus unserer Sicht nicht aus, dass sich Stadt und Land mit diesem Erfolg schmücken und gegenseitig auf die Schultern klopfen. Vielmehr sollte der Bericht angesichts des rasanten Ausverkaufs deutscher Innenstädte zugunsten steigender Renditen eine Verpflichtung sein, politisch dafür Sorge zu tragen, dass für Kultur und Kultur-/Kreativschaffende weiterhin öffentliche Räume und Büros zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stehen.